Die Lehrenden lernen
Jedes Kind verspürt den Drang neue Dinge zu erlernen und die bisher erworbenen Kenntnisse auszubauen. So scheint es sich hierbei um eine Gegebenheit der Natur zu handeln, die auf dem Drang nach dem Erwachsenwerden beruht. Da jedes Kind jedoch nicht mehr nur über eigene Charakterzüge, sondern auch über ein individuelles Lerntempo verfügt, muss bei der Erziehung auf diese Besonderheit eingegangen werden.
Bei der Montessoripädagogik stehen das Kind, seine Individualität und der Eigenwert in dem Zentrum der Bildung und des Lernen. Auf Grund dessen ist von höchstem Wert, dass jeder Pädagoge in einem Montessorikindergarten oder einen solchen Schule auf das Kind eingeht und es lernt dieses zu verstehen. Demnach ist das Lernen der Lehrenden ein wichtiger Faktor in der Pädagogik von Maria Montessori.
Maria Montessori erlernte selbst im Laufe ihrer Arbeit Kindern zu fördern und auf sie und ihre Kenntnisse, Begabungen und Fertigkeiten einzugehen. All ihre Erfahrungen, die sie über Jahrzehnte sammelte, flossen in die Entwicklung einer eigenen Bildungsform ein. Die Pädagogen versuchen heute nicht mehr nur die Kinder wahrzunehmen, sondern sie zu verstehen. Hierfür setzen sie sich intensiv mit dem Charakter des Kindes und seinen Eigenheiten auseinander. Erst wenn sie diese erkannt haben, können sie sicherstellen, dass eine höchstmögliche Bildung garantiert wird.
Je nach den Interessen eines Kindes werden Lerninhalte auf dieses abgestimmt und so hält man sich in den Montessorikindergärten und Schulen nicht zwingend an das vorhandene Lehrmaterial. Vielmehr liegt es im Zentrum der Bemühungen, ein Kind auf dem höchstmöglichen Niveau auszubilden und ihm auf diese Art und Weise eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen.
Die Montessoripädagogik im Jugendalter
Auf Grund der unterschiedlichen Stadien, die ein Kind beim Heranwachsen durchläuft, gliederte Maria Montessori ihre Pädagogik in mehrere Stadien. Unter anderem handelt es sich hierbei um das Jugendalter. Vor allem in dem Alter von zwölf bis achtzehn Jahren befindet sich nicht nur der Körper sondern auch die Psyche eines Menschen in einem starken Wandel. In erster Linie kommt es so auch zu einer Weiterentwicklung und Änderung des Auffassungsvermögens.
Neben der Weltansicht ändern sich auch die Beziehungen zu den einzelnen Menschen und so entwickelt sich mehr und mehr eine ausgeprägt Persönlichkeit. Der Körper unterzieht sich den radikalsten psychischen und physischen Veränderungen. All diese müssen von dem Kind allein verarbeitet werden. Zudem entsteht das Gefühl, dass sie ein Teil der Gesellschaft sind und als solchen auch von ihren Mitmenschen anerkannt werden möchte. Weder für das Kind noch für die Familie handelt es sich hierbei um eine leichte Zeit. In den Montessorischulen wird intensiv und individuell auf diese Veränderungen eingegangen. Unter anderem geben die Pädagogen ihnen Aufmerksamkeit und nicht zuletzt eben auch ein sehr hohes Maß an Schutz. Tag für Tag versuchen sie auf die unterschiedlichste Art und Weise das Selbstwertgefühl der Jugendlichen und deren Selbstvertrauen zu stärken. Nicht nur die Pädagogen sondern auch die Lehrmaterialen animieren dazu, ein Gefühl der Würde für die eigene Person zu entwickeln. Es ist eine Epoche der Sensibilität, eine Zeit, die Geduld und Aufmerksamkeit fordert.
Die Erzieher in den Montessorischulen bewegen die Heranwachsenden dazu, Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen zu übernehmen und hierbei einmal mehr die Werte Größe und Stärke nach außen zu transportieren.
Der Beginn in Deutschland – Die erste Montessorischule
Nur wenige Jahre nachdem Maria Montessori in dem Armenviertel in Rom das erste Kinderhaus – Casa di Bambini, ins Leben rief, entstand auch in der Bundesrepublik Deutschland eine Montessorischule. In dem Zeitpunkt sich noch im Wiederaufbau befindenden Deutschland fieberten die Menschen dieser Bildungseinrichtung mit Aufregung und hohen Erwartungen entgegen. In dem Jahr 1923 gründete Montessori in dem thüringischen Jena die erste Schule, die die von ihr erworbenen Kenntnisse anwandte.
Die Montessorischule Jena konnte sich schnell nicht nur auf regionaler sondern auch auf überregionaler Ebene einen Namen machen und zog die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich. Immer mehr konnten sich für die Pädagogik der Maria Montessori begeistern. Es war in erster Linie die Erkenntnis über den Eigenwert des Kindes, der die Menschen bewegt und sie auch zum Nachdenken animierte. Es war der Beginn eines Umbruches in dem Bereich der Pädagogik, der Anfang für grundlegende Veränderungen in der deutschen Pädagogik. Doch auch wenn es sich bei der Montessorischule in Jena um eine Einrichtung handelte, die eine sehr hohe Popularität genoss, wurde sie bereits nach sechs Jahren, 1929, geschlossen.
Es war die Zeit, in der der Nationalsozialismus mehr und mehr an Bedeutung gewann - eine Zeit in der sich Thüringen bereits dem nationalsozialistischen Landesregime fügen musst. Auf deren Weisung wurde die Montessorischule geschlossen. Das Lehrmaterial, welches im Großen und Ganzen von den Eltern der Kinder erstellt wurde, befindet sich noch heute in dem Besitz der Friedrich – Schiller – Universität in Jena und so handelt es sich hierbei um einen der wohl bedeutendsten Reste der ersten deutschen Montessorischule.
Der Eigenwert des Kindes
Die Pädagogik und die vermittelten Inhalte von Maria Montessori haben sich im Laufe der Jahre bewährt und nicht zuletzt eben auch ausgezeichnet. So differenziert sich die Montessoripädagogik in vielerlei Punkten von den anderen bisher bekannten Bildungsinhalten. Im Zentrum der Bildung stehen hierbei der Eigenwert und die Individualität des Kindes. Bei ihrer Arbeit entdeckte Maria Montessori, dass das Lernen in der Natur des Kindes liegt und so begründet sich dieses in erster Linie mit dem Drang an dem Leben der Erwachsenen teilzunehmen.
Jedes Kind möchte lernen, jedoch bedarf es hierbei auch einer individuellen Behandlung und nicht zuletzt Bildung. Aus diesem Grund ist das Kernstück der Montessoripädagogik die individuelle Behandlung eines jeden Kindes. Hierbei handelt es sich zum einen um die Förderung und zum anderen eben auch um die Forderung der bisherigen Kenntnisse und Fertigkeiten. Im Bezug auf die Aussagen von Senora Montessori sind weder die Strafen, noch die Belohnungen für das Lernen der richtige Weg. Die Konzentration bei der Montessorierziehung liegt auf Grund dessen auf den Bedürfnissen, den Talenten und eben auch den Begabungen eines einzelnen Kindes.
Mehr oder weniger wird die Montessorierziehung nicht mehr nur als besondere Form der Pädagogik angesehen, sondern vielmehr als eine Philosophie, die für das weitere Leben entscheidend und somit richtungweisend ist. Die Kinder lernen in den Montessorikindergärten und Schulen in ihrem eigenen Rhythmus und ihrer persönlichen Art. So steuern die nicht nur das Tempo, in dem sie lernen, sondern auch die einzelnen Themen und die Wiederholungen der bereits gelernten Inhalte. Eine der zahlreichen Grundsätze von Maria Montessori ist, dass auch die kleinste Abweichung von dem eigentlichen Ideal des göttlichen Kindes eine Störung für dessen Entwicklung darstellt.
